Die Olympische Flamme ist aus, die Paralympics sind nun leider zu Ende. Am Sonntag war die Abschlussfeier auf der Medals Plaza in Whistler - da saß ich leider schon im Flugzeug zurück nach Deutschland.
Übrigens: Der letzten Wettkampftag war wiederum ein sehr erfolgreicher für das deutsche Team. Verena Bentele hat Deutschland mit ihrer fünften Goldmedaille auf Platz eins im Medaillenspiegel geführt. Sie hatte am Schlusstag den Klassik-Sprint über einen Kilometer gewonnen. Weiterlesen »
Da strahlt die erst 17-jährige Anna Schaffelhuber. Und sie hat allen Grund: Die Schülerin gewinnt in der sitzenden Klasse im Super-G Bronze! Super hat sie sich geschlagen. An diesem Tag sorgt sie für eine weitere Überraschung. Was denn das “F” um ihren Hals bedeute, fragt eine Journalistin. “Das heißt, dass ich am Sonntag bei der Abschlussfeier die deutsche Fahne tragen werde. Darüber freue ich mich sehr”, sagt Anna Schaffelhuber. Mit ihr werden wir noch viel Spaß haben, verspricht ARD-Kommentator und Ex-Skirennläufer Alexander Spitz am Abend im Deutschen Haus. Doch bei Bronze blieb es nicht an diesem siebten Wettkampftag. Weitere Medaillen gab es für das deutsche Ski-Alpin-Team.
Martin Braxenthaler fuhr in der sitzenden Klasse zu Silber und Andrea Rothfuss zu Bronze bei den Damen stehend. Damit haben die deutschen Alpinen vor der abschließenden Superkombination bereits 13 Medaillen (jeweils vier durch Rothfuss und Schönfelder, drei durch Braxenthaler und jeweils eine durch Schaffelhuber und Gerd Gradwohl). Die deutschen Ski-Alpin-Sportler gehen damit in Führung.
Bild: Ebner
Strahlend blauer Himmel, Sonne pur und eine extrem harte Piste - über Nacht hat es hier in Whistler Mountain wieder gefroren, aber immerhin macht nach den Kapriolen der vergangenen Tage heute das Wetter mit. Unsere deutschen Sportler erwartet kein leichtes Rennen, trotz der guten Wetterbedingungen. Weiterlesen »
Fünf Kilogramm wiegt mein Schlitten. Er besteht aus zwei Aluminium-Stangen, einer harten Kunststoffschale und zwei Kufen aus Stahl. Sie sehen aus wie Schlittschuh-Kufen, haben aber Durchlässe in der Kante. Ich sitze eingekeilt zwischen den hochgezogenen Kunststoffrändern und bin angeschnallt. Ich fühle mich ziemlich eingeengt. Meine Beine sind leicht angewinkelt. Unter einer Querstrebe habe ich sie eingeklemmt. Ich trage einen Helm mit Gitterschutz und überdimensionale Handschuhe. Sie sind so groß, dass ich kaum die beiden Schläger in der Hand halten kann. Mit ihnen soll ich mich eigentlich fortbewegen.
Das geht so: Am Ende des Schlägers sind Spikes (dt. Dornen) aus Stahl. Diese muss man in das Eis rammen. Und dann mit aller Kraft abdrücken. Leichter gesagt, als getan. Ich schwitze unter dem Helm und am ganzen Körper. Der Schlitten und ich wiegen immerhin 65 Kilogramm. Ich habe Mühe, das Gleichgewicht zu halten, obwohl an meinem Schlitten zwei Stützen befestigt sind. „Die sind natürlich sonst nicht da. Wir haben sie angebracht, damit die Besucher im Schlitten sitzen bleiben. Sonst würden sie andauernd auf der Seite liegen“, erklärt Dirk Artmann, Pressesprecher von Otto Bock, dem Medizintechnik-Unternehmen aus Duderstadt.
Kennen Sie das, lieber Leser? In bestimmten Situationen haben Sie sich gewisse Verhaltensmuster angewöhnt. Diese werden Sie nicht mehr los. Angewohnheiten, Rituale. Aberglaube – man kann sie nennen, wie man möchte. Ein Beispiel: Ich ziehe immer zuerst den rechten Schuh an.
Oder: Wenn in der Schule wichtige Klausuren anstanden, habe ich zum Frühstück stets zwei Toasts und einen Joghurt gegessen. Nie mehr, nie weniger. Auch die Athleten bei den Paralympics haben solche Angewohnheiten. Die Sledge-Hockey-Spieler spucken immer auf das Eis. Das soll Glück bringen. Wie oft sie das machen, weiß ich nicht. Und ob es Glück bringt, wenn man es mindestens drei Mal macht, kann ich Ihnen auch nicht sagen.
Andere Sportler sind erfinderischer: Skirennfahrerin Kathrin Hölzl hat bei den Olympischen Winterspielen verraten, dass sie beim Riesen-Slalom immer die gleiche Unterhose anzieht.
Am kreativsten ist allerdings der deutsche Rollstuhl-Curler Jens Gäbel. Während des Spiels trinkt er nämlich nur aus einer einzigen Flasche. Trainer Helmar Erlewein hat sicher noch genügend andere unter seinem Tisch, aber Gäbel greift nur nach der einen. Sie steht am Rand der Eisfläche, ist aus Plastik, pinkfarben und mit Papier umwickelt. „Gurke“ ist drauf zu lesen. Sein Spitzname? Was es mit diesem Glücksbringer auf sich hat, konnte er mir leider nicht verraten. Nach dem Spiel gegen Italien wollte er schnell weg von den Journalisten und in den Pausenraum. Seine Ausrede: „Ich habe großen Hunger.“ Na gut, Essen ist ja auch wichtig. Dann wollen wir mal hoffen, dass es zum Mittagessen nicht nur Gurken gab.
Heute steht ein Besuch im Paralympischen Dorf an. Ich bin mal sehr gespannt, was mich erwartet. Wie groß sind die Zimmer? Wie wohnen die Athleten? Fragen über Fragen - die hoffentlich beantwortet werden.

Das letzte Paar Handschuhe. Her damit! Seit Tagen suche ich danach; und im Store des Paralmypischen Dorfes werde ich fündig.
Hier geht es zu wie am Flughafen: Fünf Mal musste ich schon meine Akkreditierung zeigen, wurde mit dem Bus vor ein weiteres riesiges Zelt gekarrt, um mich ein weiteres Mal anzustehen – und zu warten. Gleich muss ich durch die Sicherheitskontrolle. Ich werde durchleuchtet, mein Gepäck wird durchleuchtet und meine Schuhe sicherlich auch.
Eine dreiviertel Stunde dauert es, bis ich vor einem der deutschen Häuser stehe. Zum ersten Mal seit Beginn der Spiele ist das Olympische Dorf auch das Paralympische. Hier leben die Athleten und Betreuer – auf dem Gelände einer ehemaligen Futterstelle für Schwarzbären und einer Müllkippe. Keine Sorge, man riecht nichts.

Das Bild der Besitzerin in einem der deutschen Häuser: In allen Häusern hängen Bilder der Käufer; sie sollen die Sportler ermahnen, damit sie vorsichtig mit der Einrichtung umgehen. Wirklich, kein Scherz!
Gleich um die Ecke der Reihenhäuser ist außerdem ein großer Teich. Dort leben seltene Frösche, die so groß sind wie meine beiden Handflächen. Erdreich und Wasser können also nicht verseucht sein. 30 Millionen wurden übrigens in die Energieversorgung und Infrastruktur investiert.
Es gibt sogar eine Unfallklinik und einen Bankautomaten. 24 Stunden lang bekommen Sportler und Athleten in der Mensa Essen. Alle Reihenhäuser sind schon verkauft. Sie sind sehr teuer: 450 000 bis 600 000 Dollar muss man hinblättern. Die Zimmer der Athleten sind klein. 14 Quadratmeter müssen sich die Sportler zu zweit teilen. Und wenn sie Pech haben, liegen am Waschbecken im Bad gleich vier Zahnbürsten. Keine Spur von Luxus.
In den deutschen Unterkünften herrscht übrigens noch Ordnung. Das galt schon für Maria Riesch, gilt jetzt für Gerd Schönfelder und Co. und für meine Wenigkeit.
Ganz schön schwer liegt das Biathlon-Gewehr in meinen Händen. Meine Augen sind geschlossen. Ich versuche, das Gewehr so ruhig wie möglich zu halten. Das ist aber alles andere als einfach. Ich sitze an einem Tisch im Deutschen Haus in Whistler und versuche, blind die Scheiben zu treffen. Mit angewinkelten Armen kauere ich auf dem Tisch, auf dem Kop ein Kopfhörer. Angestrengt lausche ich dem Signal. Je nachdem, in welche Richtung ich mein Gewehr bewege, verändert sich der Ton. So können sehbehinderte und blinde Athleten Biathlon betreiben. Weiterlesen »
Sie hat es geschafft. Und sie hat sich einen weiteren großen Traum erfüllt: Die 28-jährige sehbehinderte Biathletin aus Tettnang - Verena Bentele - hat Gold in der 3-Kilometer-Verfolgung geholt! Zusammen mit ihrem Begleitläufer siegte sie souverän und mit einem großen Vorsprung am Samstagmittag - und das gleich bei ihrem ersten Wettbewerb. Sie verwies die Russinnen Liubov Vasilyeva und Mikhalina Lysova auf die Plätze.
Dieser Samstag war der erste Wettbewerbstag - auch für mich. Zum ersten Mal bin ich bei Olympischen Spielen live dabei. Ich stand zusammen mit der Familie und zwei Freundinnen von Verena auf der Tribüne an der Zielgeraden und habe mitgefiebert - beziehungsweise mitgebrüllt, um sie anzufeuern.
Das ist das achte Gold für die Biathletin, die in München studiert und Rhetorik-Trainerin werden will. (Der SÜDKURIER berichtete.) Viel haben sie und Thomas Friedrich sich vorgenommen: Sie wollen bei den Paralympics insgesamt fünf Wettbewerbe bestreiten. Verena Bentele hat ihr Ziel klar im Blick. “Ein Sieg ist das Mindeste”, hatte sie dem SÜDkURIER vor Beginn der Paralympics gesagt. Dennoch sei sie vor dem Wettkampf nervös gewesen, erzählt sie am Abend. Schließlich ginge sie jetzt auf die 30 zu, da würde man das nicht mehr lernen und sich nicht mehr umstellen, sagt sie lachend. Eine Umstellung wird allerdings auf sie zukommen:
Noch kämpft der 40-Jährige Friedrich an ihrer Seite; aber nach diesen Winterspielen soll aber Schluss sein.
Zu lange habe ich Familie und Beruf hinten angestellt. Das geht nicht länger so weiter. Und nur halbherzig will ich Verena nicht unterstützen. (Thomas Friedich, Sportwissenschaftler aus Köln)
Das ist sehr schade… denn die beiden harmonieren super miteinander. Beide seien sich sehr ähnlich, erzählt Friedrich. “Wir sind beide sehr sensible.” Und dennoch oder gerade deshalb, funktioniert das Zusammenspiel so gut.
Verena Bentele, die von Geburt an blind ist, vertraut ihm. Das sei ein weiter Weg gewesen, erzählt Thomas Friedrich. Verena Bentele hatte im Januar 2009 einen schweren Unfall: Sie war bei einem Rennen einen Abhang hinabgestürzt. Ihr Begleitläufer hatte vermutlich links und rechts verwechselt und ihr so ein falsches Kommando gegeben. In Folge des Sturzes verlor sie eine Niere.
Das sie hier starten konnte und dann auch noch Gold gewinnt, ist ein kleines Wunder. (Mutter Monika Bentele)
Der Sieg im Gesamt-Weltcup und das achte olympische Gold: Verena Bentele ist in der Form ihres Lebens. Noch ist offen, ob sie nach den Paralympics ihre Karriere beendet. Eines ist sicher: Es wäre jammerschade. „Mit dem Schießen bin ich nicht zufrieden. Deshalb bin ich extrem froh über den Sieg, weil ich nicht mehr damit gerechnet habe, zu gewinnen“, analysierte sie selbstkritisch.
Jemand, der ans Aufhören denkt, hört sich anders an, oder?
(Bilder: Ebner, Nr. 3 Faupel)
Das Licht geht aus. Für ein paar Sekunden ist es fast still. Ein riesiger Ballon, der von unten wie eine überdimensionale Zitronenpresse aussieht, senkt sich in der Mitte des Stadions. Grün und Blau schimmert der Ballon; mehrere Scheinwerfer strahlen ihn an. Plötzlich setzen Bässe ein. Wummernde Beats bringen die Menschen zum Klatschen und Jubeln - eine Wahnsinns-Atmosphäre im Place Station in Vancouver. In der riesigen Arena beginnt jetzt die Eröffnungsfeier der Paralympics.
Das Place Stadion fasst rund 55 000 Menschen. Es ist fast ausverkauft, nur ein paar Sitze auf den hintersten Rängen sind leer. Die Veranstalter haben auf jeden Platz Ponchos zum Drüberziehen gelegt - und die Zuschauer sind der Aufforderung nachgekommen. Die Reihen sind einheitlich blau, weiß oder grell-blau. Es sind die zehnten Winterspiele der Menschen mit Handicap. Bis zum 21. März kämpfen sie in Vancouver und in Whistler um Gold, Silber und Bronze.
Ich bin mitten drin. Zehn Tage lang werde ich die 20 deutschen Athleten begleiten. Darauf freue ich mich schon sehr. Insgesamt sind 506 Sportler aus 44 Nationen dabei.
Szenenwechsel: Ein junger Mann läuft auf zwei Krücken in das Stadion. Er erreicht die Mitte der Arena, seht auf einer Plattformn, die sich aus dem Boden erhebt. Und dann geht es los. Er tanzt, springt, wirbelt mit und ohne Krücken herum, überschlägt sich… das Publikum jubelt. Das Motto des Abends findet sich auch hier wieder: Ein Einzelner inspieriert viele.
Ein Inszeniert hatte die Show Patrick Roberge, der bereits für die Eröffnungs- und Schlussfeier der Winterspiele 1988 in Calgary verantwortlich war. 5055 Menschen im Alter von 6 bis 92 Jahren verwandeln das BC Palace Stadium für knapp drei Stunden zur Partyzone.
Die Kanadier erweisen sich als faire Gastgeber: Jede Nation, die einläuft, wird mit großem Jubel empfangen. Das deutsche Team kommt an 18. Stelle, angeführt von Frank Höfele, der die Flagge trägt. Die Sportler sind ausgelassen, lachen, tanzen. Curler Jens Jäger aus Villingen-Schwenningen winkt wild in die Kamera.
20.34 Uhr: Der 15 Jahre alte beinamputierte Snowboarder Zach Beaumont entzündet das Paralympische Feuer. 38 Minuten zuvor hatte die Generalgouverneurin Kanadas, Michaelle Jean, die Spiele für eröffnet erklärt. “Wir haben unser ganzes Herz und unsere Seele reingelegt, um den Athleten ihren Lebenstraum zu erfüllen: Dass wir alle phantastische und unvergessliche Spiele erleben werden”, sagte John Furlong, der Präsident des Organisationskomitees VANOC.
“Möge dies der Anfang der größten Zeit Eures Lebens sein. Für Euch alle ist ‘unmöglich’ nur ein Wort.” John Furlong, Präsident des Organisationskomitees VANOC.
(Bilder: Ebner, Nr. 2 Horn)

Nur knapp zwei Wochen blieb die olympische Flamme aus - und kommt jetzt wieder zurück ins kanadische Vancouver. Dort und in Whistler finden vom 12. bis 21. März die Olympischen Winterspiele der Behindertensportler statt. Und der SÜDKURIER ist mit dabei.
Ich heiße Julia Ebner, bin Volontärin beim SÜDKURIER und begleite die deutschen Athleten zusammen mit fünf weiteren jungen Journalisten aus Deutschland.
Los geht’s für mich am Freitag, 12. März. Gleich nach der Ankunft auf dem Flughafen steht das ”Meet and Greet” auf dem Programm; im Anschluss geht es zur Eröffnungsfeier um 18 Uhr ins Place Stadium in Vancouver, das Heimstadion der Canadian-Football Mannschaft British Columbia Lions.
Die deutsche Ski alpin Mannschaft hat Deutschland bereits am 26. Februar verlassen, um kurz vor den Paralympics in Vancouver noch einen Ski Weltcup in Aspen (USA) zu absolvieren. Auch die Mitglieder der Mannschaft Ski nordisch und die Rollstuhl-Curler sind schon vor Ort. Sie flogen gemeinsam mit Betreuern und Delegationsmitgliedern am 6. und 8. März nach Vancouver. Weiterlesen »


















